Sammlung
Die Ostasienabteilung verfügt über circa 500.000 Bände an originalsprachlicher Literatur. Der jährliche Zuwachs beträgt etwa 20.000 Titel im Jahr. Rund 4.000 Zeitschriften werden laufend bezogen.
Das Erwerbungsprofil der Ostasienabteilung wird wesentlich durch
die Beschaffung der Literatur zum Sondersammelgebiet Ost- und
Südostasien definiert.
Da sich die Fachrichtungen der Ostasienwissenschaften seit jeher
- insbesondere aber seit der stärkeren Betonung gegenwartsbezogener Forschung - mit allen Bereichen wissenschaftlicher Studien
in Bezug auf Ostasien beschäftigt haben, bezieht sich auch die
bibliothekarische Sammeltätigkeit auf alle Länder dieser Region
und ihre Publikationen. Hierzu gehören: Volksrepublik China
(darin aufgegangen Mandschurei, Innere Mongolei, Tibet, Hongkong), Republik China (Taiwan), Macao, Mongolei, Japan, Nordkorea und Südkorea.
Fachliche Zuständigkeit besteht in erster Linie für die Geistes-
und Sozialwissenschaften; in den Bereichen Technik, Medizin,
Wirtschaftswissenschaften und Landbauwissenschaft, für die die
jeweiligen Zentralbibliotheken zuständig sind, sowie in den
reinen Naturwissenschaften werden nur Bibliographien und Darstellungen ihrer regional bezogenen Geschichte gesammelt. Bei
spezifischen, in den Regionen eigenständigen kulturellen oder
wissenschaftlichen Entwicklungen (z. B. Akupunktur) wird allerdings die relevante Literatur auch für die ausgenommenen
Fachgebiete gesammelt. Ergänzend wird im Bereich der Wirtschafts- und der Landbauwissenschaften monographische Literatur
in ostasiatischen Sprachen erworben, soweit ein Zusammenhang zu
den Sozialwissenschaften besteht.
Die folgenden im Sondersammelgebietsprogramm ausdrücklich genannnten Fachgebiete stehen im Mittelpunkt der Sammeltätigkeit:
Sprache, Literatur und Volkskunde, Geschichte einschließlich
Sozialgeschichte und Wirtschaftsgeschichte, Politik, Verfassung,
Verwaltung, Veröffentlichungen über Parteien, Gewerkschaften und
ähnliche Verbände, Anthropographie und Länderkunde, Vor- und
Frühgeschichte, Völkerkunde, Erziehungs- und Hochschulwesen,
Wissenschaftliche Einrichtungen, Informations-, Buch- und Bibliothekswesen, Publizistik, Film, Rundfunk, Fernsehen, Religionen und Philosopie, Kunst, Musik, Theater, Tanz, Recht sowie
Mathematik, Landbau, Medizin, Naturwissenschaften und Technik in
ihren traditionellen regional-spezifischen Ausprägungen sowie
Parlamentsschriften der Zentralparlamente.
Den Schwerpunkt der Erwerbung bilden die wissenschaftlich relevante Grundlagen- und die spezielle Forschungsliteratur. Daneben
wird aber in erheblichem Maße Literatur von informatorischem und
dokumentarischem Wert aus allen Lebensbereichen der Regionen als
Quellen für die Forschung erworben. Bei der sehr umfangreichen
Literaturproduktion in Ostasien ist es jedoch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich, eine relative Vollständigkeit zu erreichen.
Literarische Texte werden soweit wie möglich in Gesamtausgaben
und Sammlungen als Quellen für die Forschung gesammelt. Derartige Editionen sind in Ostasien beliebt und erscheinen zum
Teil auch für die Gegenwartsliteratur in großem Umfang. Insbesondere in den sozialistischen Ländern der Region erscheint
die Literatur aber überwiegend in Einzelausgaben. Da die Literaturproduktion dort meist preisgünstig ist, wird sie möglichst
vollständig erworben. Eine eindeutige Abgrenzung zur Trivialliteratur gibt es nicht.
Es wird angestrebt, die wichtigsten Fachzeitschriften und eine
repräsentative Auswahl aktueller informatorischer Zeitschriften
zu erwerben. Aus den einzelnen Ländern wird eine kleine Anzahl
wichtiger Tageszeitungen erworben (liegt in der Zuständigkeit
der Zeitungsabteilung), nach Möglichkeit in gebundener Form.
Amerikanische Dissertationen zur Ostasienwissenschaft werden
nach Benutzerwunsch oder Referentenentscheidung einzeln beschafft. Quellenmaterialien in Mikroform zur Region wird in
Abstimmung mit anderen Bibliotheken erworben. Nicht-konventionelle Materialien aus Ost- (und Südost)asien werden an der
Bibliothek des Instituts für Asienkunde in Hamburg gesammelt.
Grundlegende Literatur aus Ostasien über Deutschland wird in
Auswahl gesammelt.
China
Die Erwerbung erstreckt sich fast ausschließlich auf Neuerscheinungen. Die Schwerpunkte für den gesamten thematischen Bereich
liegen auf den Geisteswissenschaften und den Sozialwissenschaften (mit einer Betonung des Fachgebiets Recht). Es wird darüber
hinaus versucht, die ganze Breite des Spektrums der chinesischen
Kultur zu berücksichtigen, wobei auch vergleichsweise abgelegene
Gebiete wie Trivialliteratur, Film-, Kinderbücher, Propagandaschriften von Parteien und Gewerkschaften einbezogen werden.
Für die Beschaffung chinesischsprachiger Literatur stehen in der
Hauptsache drei verschiedene Märkte, die technisch und ausrichtungsmäßig grundverschieden sind, in denen aber durchweg einigermaßen geregelte Buchhandelskonditionen gelten, zur Verfügung:
Taiwan mit seiner starken Nachdrucktätigkeit für klassische
Werke, Hongkong als Lieferant für den Markt der starken Überseechinesengemeinde (neben der begrenzten eigenen Literaturproduktion in Hongkong wird das reichliche Angebot an Nachdrucken der
Literatur der Zeit 1920 - 1960 sowie an eigentlich nichtexportierfähiger Literatur aus der Volksrepublik China genutzt), die
Volksrepublik China mit ihren Eigenheiten in politischer und
wirtschaftlicher Hinsicht.
Der Literatur über China in westlichen Sprachen wird große
Aufmerksamkeit gewidmet. Es wird versucht, die Neuerscheinungen
weitgehend vollständig zu erwerben; die Auswahlkriterien werden
dabei sehr weit gefaßt. Kaum weniger intensiv werden darüber
hinaus westlichsprachige Publikationen aus den asiatischen
Ländern erworben. Japanische Literatur über China wird im Rahmen
der Ostasienabteilung bei der Erwerbung japanischer Literatur
mit wahrgenommen. Die japanischen Arbeiten zu Politik, Wirtschaft und Recht Chinas, aber auch zu geisteswissenschaftlichen
Themenbereichen (Sinologie), haben große Bedeutung.
Bezüglich antiquarischer Beschaffung chinesischer Literatur
besteht eine Erwerbungsabsprache mit der Ostasienabteilung der
Bayerischen Staatsbibliothek, die ihre umfangreichen historischen Bestände durch gezielte antiquarische Beschaffungen ergänzt.
Japan
Japan hat einen geregelten Büchermarkt und leistungsfähige
Buchhändler. Die Schwierigkeiten liegen in der Publikationsmenge, den inflatorisch steigenden Preisen und den kleinen
Auflagen und entsprechend kurzen Zeiten der Lieferbarkeit bei
Neuerscheinungen. Publikationsmenge und Preise zwingen zur
Auswahl, das schnelle Verschwinden vom Markt zur Beschleunigung
von Auswahl und Bestellung sowie zur Benutzung der bestmöglichen
Unterlagen.
Aus den umfangreichen Publikationen der schönen Literatur werden
zumindest Bestseller ausgewählt, zur Kunst in erster Linie
Nachschlagewerke und Werke zur Kunstgeschichte.
Bezüglich der wissenschaftlichen Literatur wird generell versucht, für die ganze fachliche Breite des Sondersammelgebiets
die relevante Literatur zu beschaffen. Betont wird das Fachgebiet Recht, wegen Nachholbedarfs die Bereiche Sozialwissenschaften und Politik seit 1868, Erziehungswesen und Volkskunde,
gegenwartsbezogene Japanforschung allgemein.
Wissenschaftliche Literatur über Japan in westlichen Sprachen
wird relativ umfassend erworben.
Bei der Auswahl wird hinsichtlich der Referenzliteratur Vollständigkeit angestrebt; dies gilt insbesondere für Bibliographien, biographische Nachschlagewerke, biographische, terminologische und Sachlexika, Jahrbücher zu den Fachgebieten der Sondersammelgebiete, Festschriften für wissenschaftliche Einrichtungen, Universitäten, Verlage und Wissenschaftler (wegen der
meist enthaltenen Bibliographien bzw. Biobibliographien). Bei
den Lexika werden auch die sonst ausgesparten naturwissenschaftlich-technischen Bereiche selektiv berücksichtigt.
Chinesische und koreanische Literatur über Japan wird ebenso
berücksichtigt wie japanische Literatur zur China-Forschung und
Sinologie. Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Literatur aus
der japanischen Kolonialzeit (Taiwan, Korea, Mandschurei und
besetzte Gebiete in China) gelegt.
Korea
In der Vergangenheit lag der Schwerpunkt der Erwerbungen aus
Korea fast einseitig auf Sprache, Literatur und Landeskunde.
Seit den sechziger Jahren ist jedoch eine schwerpunktmäßige
Hinwendung zu den Sozialwissenschaften sowie zur Kunst zu verzeichnen. Durch gezielte Nachbeschaffung wurde auch dem Recht
Rechnung getragen. Im Hinblick auf den Lesesaal werden mit
besonderer Intensität Nachschlagewerke bibliographischer, biographischer und lexikalischer Art gesammelt.
Soweit es im Handel zugängliche Neuerscheinungen betrifft, ist
die Literaturversorgung aus Südkorea im großen und ganzen zufriedenstellend. Koreanische Publikationen aus Nordkorea können
derzeit nur in extrem niedriger Zahl über Hongkong bzw. Japan
erworben werden.
Literatur über Korea in westlichen Sprachen wird möglichst
umfassend erworben. Die Erwerbung japanischer Neuerscheinungen
über Korea erfolgt - abgesehen von Trivialliteratur - mit einer
gewissen Vollständigkeit, sofern es um Monographien der letzten
zwei Jahrzehnte geht. Eine ganz andere Situation ergibt sich
hinsichtlich japanischsprachiger Literatur über Korea (zumeist
in Korea erschienen) aus der japanischen Besatzungszeit von 1910
- 1945. Aufgrund der forcierten Japanisierungspolitik (zuletzt
kein koreanischer Spachunterricht, japanisierte Namensänderung
für Koreaner, totales Verbot koreanischsprachiger Publikationen)
ist für die Koreakunde jener Zeit die japanischsprachige Literatur das primäre Material. Diese Literatur kann praktisch nur
antiquarisch erworben werden. Die sonst in Südkorea recht rege
Übersetzungs- und Reprinttätigkeit vernachlässigt diesen Bereich. Bestand und Erwerbung sind, im Verhältnis gesehen, noch
beklagenswert klein.
Zentralasien
Zentralasien umfaßt geographisch die (selbständige) Äußere
Mongolei und die zentralasiatischen Gebiete der Volksrepublik
China mit den Sprachen Mongolisch, Tibetisch und Uigurisch.
Mongolisch
Originalsprachliche Mongolica stammen aus der Mongolei oder aus
China, wobei die Zahl der Publikationen im ersten Fall nicht
sehr groß, im zweiten aber erheblich ist. Die Zahl der auf
Mongolisches Bezug nehmenden Veröffentlichungen in westlichen
Ländern ist überschaubar und scheint auf einen nicht allzu
großen Kreis von Spezialisten beschränkt. Die Beschaffungswege
in westlichen Ländern sind relativ unproblematisch. Schwieriger
sind sie im Falle Chinas und der Mongolei. Bei den Mongolica
nehmen Werke zur Sachkultur (Handwerk, Viehzucht) einen relativ
breiten Raum ein.
Tibetisch
In tibetischer Sprache erscheinende Bücher kommen in der Regel
aus der Volksrepublik China oder aus Indien, wobei die Zahl der
Veröffentlichungen in beiden Fällen nicht gering ist. In westlichen Ländern erscheint inzwischen eine große Menge auf Tibet
bezogener Publikationen, was auf die Missionstätigkeit von
Exiltibetern besonders in den Vereinigten Staaten und Westeuropa
sowie auf ein wachsendes allgemeines Interesse am Land zurückzuführen ist. Bei Tibetica ist neben Geschichte und Politik das
Fach Religion sowohl bei den originalsprachlichen als auch den
in westlichen Sprachen erscheinenden Büchern wichtig. Von zunehmender Bedeutung sind auch Werke zur traditionellen tibetischen
Medizin, was auf ein wachsendes Interesse im Westen an dieser
Medizin zurückzuführen ist.
Uigurisch
Bücher in uigurischer Sprache kommen im begrenzten Umfang aus
der Volksrepublik China.
Beziehung zu anderen Sammlungsbereichen der SBB
Amtliche Veröffentlichungen erwirbt die Staatsbibliothek für
Japan und Südkorea durch die Abteilung Amtsdruckschriften und Internationaler Amtlicher Schriftentausch durch internationale Tauschabkommen. Für die übrigen Länder der Region bemüht sich die SBB, Amtsdruckschriften durch Kauf oder Geschenk zu erwerben.
Mit der Kartenabteilung wird bei der Erwerbung von Karten und
Atlanten der Region eng zusammengearbeitet. Durch den Sammelschwerpunkt Topographische Karten und den Umfang der Erwerbungen
der Kartenabteilung ist eine besondere Beschaffungstiefe gewährleistet.
Die Osteuropa-Abteilung erwirbt die Literatur zu den Ostasienwissenschaften aus ihrem regionalen Zuständigkeitsbereich.